literarische Schnittstellen

 

Daniel Kehlmann – Tyll.

Seite 358 – ein schönes Zitat:

“Reim ist kein Zufall der Laute. Es gibt ihn dort, wo Gedanken zusammenpassen.”

Seite 438 – ein schönes Bespiel für das, was man ein Reentry nennt:

“Sie wusste, was er dachte, und sie wusste, daß er wusste, daß sie es wusste.”

 

Volker Klüpfel / Michael Kobr – Laienspiel. Kluftingers vierter Fall. Auf Seite 236 ff unterhalten sich  Kluftinger und sein Kollege Yildrim über Islam, Religion, Glauben und Agnostik. Auf Seite 242 zitiert Yildrim dazu das Gedicht von Martin Walser:

… ‘Ich bin an den Sonntag gebunden,
wie an eine Melodie,
ich habe keine andere gefunden,
ich glaube nichts und knie.’ …

 

Volker Klüpfel / Michael Kobr – Milchgeld. Kluftingers erster Fall. Auf Seite 78/79 realisiert Kluftinger die Folgen, wenn eine gegenseitige Beobachtung und die daraus entstehenden Unterschiedsbildungen zu einem beiderseitigen Verstehen führen, zu einem sogenannten Reentry:

… Kluftinger … sah die Erkenntnis in den Augen des anderen, daß er gemeint war. Er sah das kurze Entsetzen in diesen Augen aufflackern. Einen Blick, den er von ungezählten Festnahmen kannte … Kluftinger wußte es, aber auch der andere wußte, das Kluftinger es wußte. Ganz langsam drehte er sich um und ging.

 

Volker Klüpfel / Michael Kobr – Seegrund. Kluftingers dritter Fall. Auf Seite 79 komplementiert er seinen Chef elegant mit Pacing und Leading und einem Schuß Würdigung aus dem Büro hinaus, weil der nicht auf seinen PC Monitor schauen soll

… Kluftinger hörte ihm scheinbar aufmerksam zu, warf ab und an ein paar kleine, Interesse heuchelnde Floskeln wie “wirklich?” oder “Ach, das hat er gesagt?” oder “Ha, so was aber auch!” ein und dirigierte Lodenbacher dabei ganz langsam und vorsichtig in Richtung der Zimmertüre. Als sie sie erreicht hatten, öffnete er sie, sagte “Danke, daß Sie mir das jetzt erzählt haben […] Amüsant. Wirklich.” und schob seinen Chef sanft in den Gang.

 

Volker Klüpfel / Michael Kobr – Himmelhorn. Kluftingers neunter Fall. Auf Seite 75 zum Spannungsverhältnis von Morphostase und Morphogenese und gleichzeitig zur Bedeutung der Wahrnehmungsfokussierung

… “Klufti”, seufzte Renn [der Spuren suchende Kollege von Klufti. Anmerk. v. Hans] “man muß schon auch mal ein bissle mit der Zeit gehen. Du darfst Dich nicht kategorisch allen Neuerungen verschließen, die das Leben so mit sich bringt, sonst bist Du ganz schnell abgehängt. Wer nur in den Rückspiegel schaut, verliert den Blick nach vorn.”

 

Oliver Buslau in der Der Bulle von Berg auf Seite 89 zum Phänomen des “Priming”

… da kam mir eine Idee. Manchmal ist es ja so, dass bestimmte Gedanken, die man eine halbe Stunde vorher hatte und die eigentlich längst im Nirwana verschwunden zu sein scheinen, eine neue Assoziation erzeugen, mit der man gar nicht rechnet.”